Unter Menschen: Erinnerungen an mein verstecktes Leben – Lebenserinnerungen von Tamara Gawriljuk
Lesung mit Erika Beermann aus den Lebenserinnerungen von Tamara Gawriljuk
– herausgegeben von ihrem Sohn Gregor Viethen
Das dichte Epos der Wolhynierin Tamara erzählt ihre Kindheit in der Ukraine, die Hungersnot, die Deportation der Eltern. Sie blieb zurück und musste sich alleine durchschlagen. Ihre Adoption durch Ukrainer ermöglicht ein neues Leben mit Ausbildung und Studien zeit in Kiew. Sie erlebte den Einmarsch der Deutschen, die Spaltung des Landes, die Verbrechen an den Juden, die Erniedrigungen und Aberkennung der Menschenwürde durch die Besatzer, die Zwangsarbeit. In ihren Erinnerungen berichtet sie über das Leben in einem Vielvölkerstaat vor und während des Krieges, an dessen Ende sie über den Umweg Paris im zerstörten Deutschland landet. Dort erlebt sie Bombennächte im Feindesland, die Aufforderung, sich als Ostarbeiterin in den letzten Kriegsmonaten in ein Terminierungslager zu begeben – und überlebt. Die handschriftlichen Skripte entstanden in den Jahren 1985–1995 und wurden erst nach dem Tod der Autorin zugänglich. Ihr Sohn Dr. Gregor Viethen hat das Buch mit zahlreichen historischen Abbildungen und Fotografien herausgegeben.
Als Polin in der Ukraine noch im Kindesalter von den verbannten Eltern getrennt, später von einer ukrainischen Lehrerin adoptiert, entscheidet sich die jugendliche Studentin Tamara in Kiew für die russische Literaturwissenschaft an Slawistischen Fakultät. Viele ihrer jüdischen Kommilitonen, Freunde und Nachbarn gehen nach dem Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion 1941 buchstäblich vor ihren Augen in den Tod. Die deutsche Firma in Kiew, der sie selbst als Ostarbeiterin zugewiesen wird, beschert ihr die Bekanntschaft mit ihrem späteren deutschen Ehemann. Nach Kriegsende gründen die beiden in Nordrhein-Westfalen eine Familie.

Tamara Gawriljuk mit ihrer Mutter
Veranstalter: Marburger Literaturforum e.V., Kulturelle Aktion – Marburg – Strömungen e.V., Herder-Institut
Lesesaal der Bibliothek des Herder-Instituts, Gisonenweg 5-7, 35037 Marburg (erreichbar mit Stadtbuslinie 10)
Eintritt frei

